room service
Seit einer Woche wohne ich jetzt in der Residence Hall, also im Wohnheim. Heute wurden zum ersten mal die Betten gewechselt. Ja, richtig gelesen. Hey, wenn man schon in London lebt und 950 Euro im Monat für ein Einzelzimmer im Wohnheim ausgeben muss, dann ist doch wohl klar, dass man die Bettwäsche nicht selbst wäscht. Das wäre ja auch noch schöner. I am being ironic, indeed.
Dass London eine verdammt teure Stadt ist wird den meisten nicht unbekannt sein. Dass Wohnen hier nahezu unbezahlbar ist vielleicht weniger. Konstantin hat er kürzlich ausführlich darüber berichtet. Zumindest, wenn man zetral lebt und mein Wohnheim liegt in Bloomsbury, fünf Minuten vom Russell Square entfernt. Also definitiv mitten in London. Man kann natürlich weiter außerhalb wohnen, wenn man dafür in Kauf nimmt, täglich 30 bis 90 Minuten in der Tube zu verbringen und das ganze morgens und abends, zur rush hour. Interssanterweise bin ich bisher nur ein einziges mal mit der U-Bahn gefahren und das war am Tag meiner Ankunft. Dass ich dann auf dem Weg von der Station zu meiner neuen Adresse gleich mein Portmonee verloren habe, soll hier nur sehr beiläufig erwähnt werden, denn ungern möchte ich mit Spenden überhäuft werden, die mir meine Cash Balance wieder auffüllen könnten. Keine Sorge, ich komme klar.
Aber zurück zum eigentlichen Thema. Die Betten werden hier tatsächlich einmal wöchentlich gewechselt und am Freitag wurde uns gesagt, dass diese imme dienstags geschehen werde. Nun ist heute aber Montag. Und was sehe ich, als ich mein Zimmer betrete? Frische Bettwäsche, allerdings auf der alten, denn die sollten wir selbst abziehen, was ich morgen auch getan hätte. Soviel also dazu.
Das Zimmer ist im übrigen viel größer, als ich es mir vorgestellt habe. Ein Mini-Kühlschrank, auf dem eine Microwelle steht; ein Waschbecken, zur Zeit noch ohne Spiegel, denn die sollen diese Woche kommen; ein Bett, sehr schmal, zu kurz, aber immerhin; kein Schreibtisch, kein Stuhl. Die sollen in exakt einer Woche geliefert werden. Mein Zimmer ist im vierten Stock und gegenüber wohnen zwei Amis aus Milwaukee, die das beste sind, was einem in solch einem Heim passieren konnte. Sehr cool, sehr nett, sehr offen und sehr us-kritisch. Schön. Im gesamten Gebäude wohnen in etwa 70 Studenten, die Mehrzahl ist aus den USA, aus Florida und macht hier nur ein Semester. Alle sind Undergraduates. Meine Universität, an der ich meinen Master Degree mache, ist übrigens eine amerikanische Uni, nur zur Info. Viele Begriffe sind also us-englisch geprägt. Im 1. Stock gibt es ein sehr, sehr großes Wohnzimmer und irgendwann in dieser Woche wird ein Flatscreen-TV geliefert. Ledersofas und die guten Poäng-Sessel von IKEA schmücken den Raum ungemein. Um es zusammenzufassen: es lässt sich hier verdammt gut leben, socializing ist sehr einfach und jeder ist den anderen gegenüber wirklich aufgeschlossen.
September 5th, 2005 at 10:39 pm
Hört sich doch sehr nett an. Auch wenn die Miete unbezahlbar ist, aber so lange U-Bahn fahren muss ja auch nicht sein – ganz abgesehen von der Terrorgefahr.
Aber ich würd’ Dir empfehlen noch mal ein paar Pfund in ein Bett zu investieren. Man denkt immer: No prob. Dann wirds eben mit der Tante ein wenig kuscheliger. Pustekuchen. Das ist die Hölle. Es geht nichts über ein großes Bett.
September 6th, 2005 at 12:03 am
“mit der tante”? ich werde mein bett nicht teilen und lebe ein jahr in enthaltsamkeit. das ist die beste lösung, schätze ich ;)
September 6th, 2005 at 6:01 pm
Hömma, höre ich da schon Anflüge bzw. Mutation zu “english-Schnösel-do-you-want-some-tea-dear?” You know what happens then!
September 6th, 2005 at 11:49 pm
Zunächst, alles Gute in London und mit dem neuen Blog.
Der Preis ist ja echt heftig. Allerdings hab ich auf meinem letzten London-Besuch die (oft überfüllten und chronisch verspäteten) Vorortzüge kennenlernen dürfen und würde definitiv auch eine Wohnung in der Stadt vorziehen. Vor allem, da nachts so gut wie gar nichts fährt.
November 7th, 2005 at 1:22 pm
Du scheinst ja viel Kohle zu haben. Es gibt schon tolle Zimmer in WGs fuer ca.£250 weniger. Aber da musst du halt selbst Bettbezug wechseln. ;-)
An das Tube fahren gewoehnt man sich. Ich brauch zur Uni 2 Std. einfach. Am Anfang 1.5 zur Arbeit. Zur Arbeit hab ich es jetzt bald nicht mehr weit, aber dafuer immer noch zur Uni.