Public Transportation

Blogger-Freund Konstantin schreibt über unser maximal semi-modernes, stellenweise erheblich antiquiertes Transportsystem. Das nehme ich zum Anlass auch mal was zu dem Thema zu sagen. Vor allem zum Thema Busfahren.

Ich wohne in Central London, fünf Minuten vom Russell Square. Zur Uni brauche ich sieben Minuten zu Fuß. Zu meiner Arbeit zehn.
Das alles versetzt mich in die Lage auf die alten, stickigen, teilweise dreckigen, vollgepackten Untergrundbahnen verzichten zu können. Glücklicherweise bin ich nicht auf public transportation angewiesen.

Aber bei sieben Millionen Menschen in der Stadt und vor allem die was-weiß-ich wie vielen Communtern, also Leuten, die im Durchschnitt eine Stunde zur Arbeit fahren, müssen die Tube benutzen. Oder Busse, wenn mal wieder geschraubt, ausgetauscht, verschlimmbessert wird. Dann kommt das zum Einsatz, die man in Deutschland Schienenersatzverkehr nennt.

Auch hatte ich bisher das Glück, wenn ich die Tube benutze, nicht zur Rush Hour fahren zu müssen. Man könnte sagen, das gehört halt zu London dazu. Aber niemand fährt freiwillig mehr als nötig und ich schätze, niemand würde da unten gerne Urlaub machen.

Kleiner Hinweis zwischendurch: Wer den Film CREEP nicht kennt, sollte sich den unbedingt anschauen. Ich hoffe immer, dass der nicht auf Tatsachen beruht…

Wie der regelmäßige Leser eventuell weiß, komme ich aus Hamburg. Und ganz ehrlich: ich mag die U-Bahn dort. Man hat Platz, meistens jedenfalls und alles ist hübsch neu. Es gibt Video-Infoscreens mit lustigen Cartoons (das war jetzt Ironie) und Informationen usw. und vor allem ist man selten besonders tief unter der Erde.

Hier in London dagegen braucht man teilweise fünf Minuten, bis man von der Straße unten an den Gleisen steht. Das ist ein enormer Unterschied. Und dann das Sitzen parallel zu den Schienen. Als ich das erste Mal in einer Tube saß, hab ich noch gedacht, dass das eine Ausnahme ist, bis ich feststellen musste, dass alle so gebaut sind. Ich mag das nicht, überhaupt nicht.

Und dann die Busse. Busfahren ist hier eigentlich ganz okay. Weil man schön direkt überall hinkommt, wenn man weiß, wie. WENN man weiß, wie. Und wenn man weiß, wo man aussteigen muss. Das ist nämlich das eigentliche Problem. Anzeige des nächsten Stopps? Oder eine Durchsage, wo der Bus gleich hält? So, wie man es aus Deutschland gewöhnt ist? Hah, vergesst es, gibt es nicht.
Doch London ist ja nicht blöd. Deswegen sind die Bushaltestellenschilder immer so weit oben angebracht, dass man sie aus dem Bus heraus nicht sehen kann. Die Fenster sind alle zu niedrig, aber manchmal schaffe ich es, wenn ich mich klein mache, den Namen abzulesen und merke: Oh verdammt, hier muss ich ja aussteigen. Dann muss man allerdings recht schnell sein, denn die Busfahrer schließen die Türen vorzugsweise genau dann, wenn man gerade aussteigen will.

Bei Tag mag das alles nicht ins Gewicht fallen. Man muss sich an besonderen Kennzeichen orientieren. Ich weiß z.B. immer, dass ich gleich bei der Goodge Street Station bin, wenn ich auf der rechten Seite HABITAT sehe. Aber nachts, im Nachtbus, wenn man etwas oder gar besonders viel getrunken hat, ist das ein Problem.

Die Angst, meinen Stopp zu verpassen und irgendwo außerhalb Londons aufzuwachen hält mich immer wach genug, um konzentriert und wachsam auf meinen Haltestelle zu warten. Aber ganz ehrlich, eine Modernisierung was das angeht wäre wirklich mal angebracht.

3 Responses to “Public Transportation”

  1. Simon Says:

    solange die tube nicht so schlecht ist wie der film “creep” selber, fahre ich als mittel zum zweck gerne damit…

  2. Hanno Says:

    da hast du recht, besonders gut war CREEP wirklich nicht;
    aber ein interessanter dokumentarfilm über den underground unter dem underground, quasi ;)

  3. Kati Says:

    Also wir hatten klar verständliche Durchsagen zu jeder Haltestelle, die der Bus angefahren hat. Linie 19 um genau zu sein. Aber abenteuerlich war es trotzdem. In Deutschland würde wohl kein Fahrradfahrer oder Fussgänger darauf kommen zwischen zwei fahrenden Bussen hindurchzulaufen/- fahren. Tjaja, London eben …

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