job interview über-odyssey (mit happy end und so!)
Alright. OK. New Job, new content.
Dieses Posting schreibe ich gerade offline aus meinem neuen Zuhause (WiFi Broadband wird demnächst installiert…), da ich nach fünf Wochen aus meinem Zimmer (Link) in der Nähe von Mornigton Crescent Station ausziehen musste. Aber ums Wohnen geht es nicht, dazu später mehr. Dieser Beitrag widmet sich meiner Jobsuche, inklusive Hintergrund zu meiner jetzigen Situation und warum überhaupt und so weiter. Das wird ziemlich lang, und das passt nicht alles auf die Startseite;
wer also interessiert ist etwas über meine zweiwöchige Vorstellungsgespräch-Odyssey zu erfahren, bitte weiterklicken. Thankyouverymuch.
In den letzten Wochen war es hier aus gutem Grund sehr ruhig, denn ich war stark beschäftigt, und warum das so ist und was passiert ist und wie es weitergeht werde ich jetzt in voller Länge (und Breite) darlegen. Fangen wir mal damit an, was der Titel dieses Artikels eigentlich sagen will:
I’ve been job hunting! For two weeks! Und morgen fange ich einen neuen Job an.
Kurze Ausgangssituationzusammenfassung. September 2005, ich ziehe nach London, beginne ein Masters Degree in Marketing, an einer Amerikanischen Uni am Russell Square mit very international student body. Im Mai 2006 habe ich alle Kurse des Programms erfolgreich abgeschlossen. Seit Oktober 2005 arbeite ich neben meinem Studium für eine Interactive Media and Television Company als Marketing Assistant. Im Juni bietet mir diese Firma einen Vollzeitjob an, 3 months fixed-term contract, bis Ende August also. Die Arbeit ist OK, ich könnte bleiben. Mein Boss will mich behalten, alles schön, aber immer nur monatsweise, mehr kann er nicht anbieten.
Ich treffe eine Entscheidung. Ich werde in London bleiben und hier einen proper career job suchen. Eine echte unbefristete Vollzeitposition. Mit Aufstiegspotenzial und allem drum herum. Ich fange an, die Suche beginnt.
Ich optimiere meinen CV (Lebenslauf) und stelle ihn bei Monster und Totaljobs ein. Ich bewerbe mich auf passende Jobs. Es passiert nicht viel. Aber ich bekomme Anrufe. Viele Anrufe. Anrufe von Recruiting Agencies.
Ein kleiner Exkurs: hier in England läuft sehr viel über solche Agenturen. Eine Firma sucht und inseriert oft nicht selbst sondern geht zu einer Agency und lässt diese dann die Arbeit machen Kandidaten auszusuchen.
Viele Agents melden sich, haben aber keine Angebote und wollen mich nur erstmal in ihre Kartei aufnehmen. Ich warte. Im Schnitt bekomme ich 1-2 Anrufe täglich, von verschiedenen Agenturen. Mehr und mehr melden sich mit passenden Angeboten, fragen, ob sie meinen CV zum Client schicken können nachdem sie den Job erklärt haben und ich Interesse
bekunde.
Auf einmal geht alles ganz schnell. Vor zwei Wochen fängt es an. Mein erstes Interview ist an einem Dienstag. Danach habe ich keinen Tag mehr ohne Interview. Anruf, job description, ja-klingt-gut-schick-mal-hin-den-CV, zweiter Anruf, erfreuliche Botschaft, Einladung zum Interview, Herzlichen Glückwunsch, wann-wo-mit-wem-etc und kurzes Vorbereitungsgespräch was dann hier heißt “let me fill you in with the details real quick”. Dazu kommt eigene Recherche und los gehts.
An einigen Tagen hatte ich mitunter zwei Interviews, seit Wochen nie weniger als eins, und Freitag sogar rekordverdächtige drei am Stück (bei verschiedenen Firmen). Feedback kommt glücklicherweise schnell.
Nebenbemerkung: vier Wochen bevor ich meinen letzten Job Ende August aufgegeben habe hatte ich mich bei Google, MSN und Yahoo! beworben. MSN und Google brauchten fünf Wochen mir per email mitzuteilen, dass sie nicht interessiert seien. Yahoo! rief mich zwei Tage nach meiner Bewerbung an und wir hatten ein Telefoninterview. Dann dauerte es vier Wochen bis die sich wieder gemeldet haben und mich zum persönlichen Gepsräch einluden. Und dann noch mal zweieinhalb Wochen bis zum Feedback. Ich sei für die Position leider überqualifiziert.
So lange dauert es bei den zurückliegenden Interviews nicht. Es gibt schnelles Feedback, es kommen Absagen. Another candidate was a stronger match. Another candidate was more experienced. You came across very well but unfortunately there was someone who performed just a little bit better. Please consider us in the future and good luck with your next interviews. Alles klar.
Motivationssteigernd wirkt das nicht. Ich hatte mir eine persönliche Deadline gesetzt. Ich habe Geld vom 3-monatigen, gutbezahlten Vollzeitjob zurückgelegt. Ich habe savings, ich kann hier bis Ende Oktober gut überleben. Aber solange will ich nicht warten. Ende September soll ein neuer Job in Reichweite sein. Es wird schon klappen, sage ich mir. Der Wille ist da.
Einige der Interviews sind in Central London, was gut ist. Aber auch in Croydon, in Cricklewood und in Twickenham. Ich bin froh, dass es dort nicht klappt und ich nicht anfangen muss zu überlegen ob ich die lange Commuting-Dauer in Kauf nehmen will. Ich habe Interviews im Financial District und im West End und in Soho. Ich lerne in etwa jede Tubestation in London und verdammt viele Bus Stops kennen. Es ist exhausting. Aber es macht Spaß. Jedes Gespräch ist gut, aus Fehlern lernt man, beim nächsten läuft es besser. Ich glaube fest daran, dass ein Job dabei sein wird, der passt.
Und dann passiert es. Letzten Donnerstag. Schon am Mittwoch hatte ich ein anderes Angebot auf dem Tisch, das ich aber nicht unbedingt annehmen wollte. Trotzdem eine komfortable Ausgangsposition für weitere Interviews. Ich gehe entspannt und locker an die Sache ran. Die Tatsache, dass ich leicht verkatert bin am Donnerstagmorgen will ich hier nicht verschweigen. Funny enough, it didn’t matter. Ich habe keine Lust zum hundertsten Mal meinen CV durchzugehen, also stelle ich Fragen. Von Anfang an. Versuche das Gespräch zu lenken. Es funktioniert. Es wird neunzig Minuten dauern, mit zwei Account Directors. Am Abend bekomme ich einen Anruf.
Hello Hanno, this is X, I want you to meet our Managing Director tomorrow, are you free? You should be, it will be worth it.
Klar, ich habe zwar schon zwei Interviews im Kalender, aber second stage Einladungen haben Priorität, natürlich komme ich. Freitag, 15 Uhr. Er stellt ein paar Fragen, ich antworte. Es ist kein Interview. It’s a laid back chat. It’s conversation. Nach dreißig Minuten habe ich ein Angebot. Und es ist ein verdammt gutes.
Ich bekomme den Vertrag mit nach Hause, ich soll zusagen. Ich sage, dass ich Montag entscheide. Sie sagen, das ist nicht wirklich schön, aber OK. Wir reden über Details. Arbeitszeit, Dress Code, was genau ich machen werde und wie die erste Woche aussehen wird. Mir ist zu dem Zeitpunkt klar, dass ich annehmen werde. Das Gehalt ist sehr gut für den Anfang und sie wollen jemanden, den sie schnell auf “Kunden loslassen” können und der in ca. einem Jahr Teamleitungsverantwortung übernehmen kann. Sehr viel Raum für career progression. Alles fantastisch. Und alles noch Ende September auf dem Tisch, wie ich gehofft hatte als ich meinen Job Ende August verließ. Es hat geklappt.
Heute um kurz nach 11 Uhr habe ich angerufen, zugesagt, mir noch mal sagen lassen wie schön es ist und wie sehr sie sich freuen, dass ich anfange und das Team joine. Solche Telefonate sind äußerst selten und ziemlich großartig. Aber nun brauche ich auch erstmal keines dieser Art mehr.
London wird also auch weiterhin mein zuhause sein. Ich denke natürlich schon langfristig, zukunftsgerichtet. Je nachdem wie der Job läuft und ich mich mache und Aufstiegsmöglichkeiten kommen bleibe ich wohl zwei Jahre hier. Oder länger. Oder ich werde gefeuert, it’s all in my hands, sag ich mal. Aber mal sehen, wie sich alles entwickelt. Dienstag fange ich an. I’ll keep you posted.
Ach so, der Job ist übrigens Campaign Analyst in einer Digital Marketing Agency, die zu einer Holding mit verschiedenen Agenturen gehört. Kein Blue Chip, aber auch keine Fünf-Mann-Klitsche. Groß genug, aber nicht zu klein. Und natürlich mit Pub um die Ecke.
Oktober 2nd, 2006 at 1:23 pm
Baby… ich gratuliere dir!! Dann habe ich nächsten Donnerstag ja genug Zeit, um dich davon zu überzeugen, mich mit nach London zu nehmen und mich dort zu versorgen. Die Kohle verdienst du ja jetzt… Yiiiihaaa!
Oktober 2nd, 2006 at 2:59 pm
ja… hm… nicht wirklich.
mit dem gehalt kommt man hier leider trotzdem nicht besonders weit, london ist TEUER. du musst dir natürlich auf jeden fall selbst einen job suchen, sorry :)
Oktober 3rd, 2006 at 12:21 am
Viel Erfolg im neuen Job! Ich hoffe, es ist das richtige für Dich!
Oktober 3rd, 2006 at 4:30 pm
Herzlichen Glückwunsch! Ist sehr interessant zu lesen, wie das so abgelaufen ist.
Oktober 7th, 2006 at 9:10 am
Super – herzlichen Glückwunsch! Ist ja toll gelaufen für Dich.
Ich wünsche Dir alles Gute im neuen Job und freue mich schon auf weitere Erfahrungsberichte.
Herzliche Grüße
Claudia
Oktober 9th, 2006 at 3:22 pm
OI!
Hallo und herzlichen Glückwunsch zum Job – jaja, du kennst mich net aber ich lese schon eine ganze Weile mit und dachte nun könnt ich auch mal was schreiben. Werde dich auch gleich mal prompt auf meine Blogroll setzen. :)
Oktober 9th, 2006 at 6:55 pm
danke für die netten comments.
job läuft gut soweit, donnerstag gehts aber erstmal in urlaub ;)
Oktober 13th, 2006 at 3:25 pm
hm… neuer job und dann sofort urlaub?? ;)
na immerhin schaust du in hamburg vorbei, erzählen die leute sich zumindest. hoffe wir sehen uns.
gruß
tim
Oktober 14th, 2006 at 12:21 pm
yep, hab ich mir aber auch verdient, nach sieben tagen harter arbeit erstmal wieder entspannen ;)
Oktober 18th, 2006 at 8:12 pm
Coole Sache! Herzlichen Glückwunsch